Hilfen aus einer Hand: Kreis Schleswig-Flensburg entwickelt Angebote für Bürger*innen weiter
Wie können Bürger*innen ihre Anliegen beim kommunalen Jobcenter bzw. den Sozialzentren des Kreises Schleswig-Flensburg künftig noch einfacher, schneller und verlässlicher klären? Mit dieser Frage beschäftigt sich der Kreis Schleswig-Flensburg derzeit intensiv. Ziel ist es, bestehende Angebote und Strukturen zukunftsfähig weiterzuentwickeln und den Service stärker an den Bedürfnissen der Bürger*innen auszurichten.
Den politischen Auftrag dafür erhielt die Verwaltung bereits im vergangenen Jahr: Der Arbeits- und Sozialausschuss hat am 14. Mai 2025 einstimmig beschlossen, die bestehenden Strukturen und Angebote im Rahmen eines Projektes zu untersuchen und Möglichkeiten für ihre zukünftige Ausgestaltung zu entwickeln.
Dabei geht es nicht nur um eine einzelne Maßnahme. Das Projekt betrachtet die zukünftige Aufstellung aus verschiedenen Perspektiven: aus Sicht der Bürger*innen und Mitarbeiter*innen ebenso wie mit Blick auf die Möglichkeiten der Digitalisierung und die politischen Rahmenbedingungen. Persönliche Beratung, telefonische Erreichbarkeit, digitale Angebote, Terminvereinbarung, interne Organisation, Mobilität und die Präsenz in der Fläche werden gemeinsam betrachtet. Wie bei einem Puzzle ergibt sich erst aus dem Zusammenspiel der verschiedenen Bausteine ein Gesamtbild.
„Wir möchten den gesamten Kontakt unserer Bürgerinnen und Bürger mit uns betrachten: Wo können wir schneller eine verlässliche Auskunft geben? Wie können wir Anliegen besser vorbereiten? Welche digitalen Möglichkeiten können den persönlichen Kontakt sinnvoll ergänzen? Unser Ziel sind Hilfen aus einer Hand und ein Service, der persönlich, telefonisch und digital gut erreichbar ist“, erklärt Urs Köhler, Gesamtprojektleitung.
Neue Ideen erproben
Einige Ansätze wurden und werden zunächst in der Praxis pilotiert und anschließend ausgewertet. Dazu gehört beispielsweise die Servicetelefonie. Hier wird untersucht, welche Vorteile eine stärkere Bündelung und Zentralisierung der Telefonie bieten kann, welche Fragen besonders häufig gestellt werden und welche Informationen benötigt werden, um möglichst bereits beim ersten Kontakt abschließend weiterhelfen zu können.
Konkreter wird bereits das Online-Kunden-Portal. Der Haupt- und Finanzausschuss hat sich dafür ausgesprochen, eine entsprechende digitale Lösung weiterzuverfolgen. Perspektivisch soll sie Bürger*innen ermöglichen, beispielsweise Anträge und Unterlagen digital einzureichen, Bescheide abzurufen, Informationen zum Bearbeitungsstand einzusehen und einfacher mit dem Jobcenter in Kontakt zu treten.
Auch eine Online-Terminverwaltung, Online-Sprechstunden sowie die Öffnungs- und Erreichbarkeitszeiten sind Teil der Betrachtungen. Digitale Angebote sollen persönliche Beratung dabei nicht ersetzen, sondern sinnvoll ergänzen. Entscheidend ist, für welche Anliegen ein persönlicher Kontakt erforderlich ist und welche ebenso gut telefonisch oder digital geklärt werden können.
Erreichbarkeit differenziert betrachten
Auch die Erreichbarkeit der Sozialzentren ist ein Baustein des Gesamtprojektes. Im Rahmen von Befragungen wurde erhoben, wie Bürger*innen zu ihren Terminen gelangen – zu Fuß, mit dem Fahrrad, dem Pkw, öffentlichen Verkehrsmitteln oder auf andere Weise. Ergänzend wurden die ÖPNV-Verbindungen aus den jeweiligen Einzugsgebieten zu typischen Terminzeiten untersucht.
Die Ergebnisse fließen gemeinsam mit den weiteren Erkenntnissen in die Frage ein, wie die bestehenden Standorte künftig sinnvoll aufgestellt sein können und ob eine Bündelung einzelner Standorte in Betracht kommt.
Wichtig ist dabei: Eine Entscheidung über mögliche Veränderungen der Standortstruktur ist bislang nicht getroffen. Die Verwaltung erarbeitet und bewertet derzeit unterschiedliche Möglichkeiten. Die Ergebnisse des Gesamtprojektes bilden eine fundierte Grundlage für die weiteren Beratungen. Mögliche Veränderungen stehen unter dem Vorbehalt der politischen Beratung und Beschlussfassung.
Im April 2026 wurden die Ämter und Gemeinden zu Raumangeboten für das kommunale Jobcenter befragt. Dabei wurde insbesondere betrachtet, ob Räumlichkeiten vor Ort für Sprechstunden oder Beratungsangebote des kommunalen Jobcenters genutzt werden könnten. Die Bereitschaft hierzu fiel unterschiedlich aus. Dass solche Kooperationen grundsätzlich möglich sind, zeigen bereits die 2025 begonnenen und weiterhin stattfindenden Jobmessen, die gemeinsam mit Ämtern und Gemeinden vor Ort durchgeführt werden.
Persönliche Sprechstunden und Beratungsangebote in der Fläche können damit ein weiterer Baustein sein und sich mit telefonischer Beratung, Online-Terminen und weiteren digitalen Services sinnvoll ergänzen.
Service verbessern und verantwortungsvoll handeln
Die angespannte Haushaltslage bildet den Rahmen für das Projekt und macht es notwendig, bestehende Strukturen zu überprüfen. Mit dem Projekt ist ausdrücklich kein Abbau von Mitarbeiterstellen verbunden. Die Veränderungen sollen wirtschaftlich sinnvoll sein und einen konkreten Mehrwert für die Bürger*innen schaffen: durch verlässliche Auskünfte, gut vorbereitete Termine, zusätzliche digitale Möglichkeiten und persönliche Beratung dort, wo sie benötigt wird.
„Unser Ziel ist nicht, einzelne Strukturen isoliert zu verändern. Wir wollen das Gesamtangebot besser aufstellen. Dafür betrachten wir viele unterschiedliche Bausteine, erproben neue Ansätze und führen die Erkenntnisse anschließend zusammen. Was davon umgesetzt wird und noch umgesetzt wird, unterliegt der politischen Beschlussfassung“, so Nils Wienke, Fachbereichsleiter Regionale Integration.
Denn erst das Zusammenspiel der verschiedenen Puzzleteile zeigt, wie das kommunale Jobcenter und die Sozialzentren künftig aufgestellt sein können: verlässlich, persönlich und zeitgemäß – mit einem Service, der sich an den Bedürfnissen der Bürger*innen orientiert.