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Datum: 11.09.2026

Zusammenrücken für die Zukunft: Kreisverwaltung denkt Standorte in Schleswig neu

Wer heute eine Dienstleistung der Kreisverwaltung in Anspruch nehmen möchte, trifft auf eine historisch gewachsene Struktur: Die Verwaltung verteilt sich inzwischen auf insgesamt 12 Standorte im Schleswiger Stadtgebiet. Grund hierfür ist unter anderem, dass die Kapazitäten des bestehenden Kreishauses für die Unterbringung aller Bereiche nicht ausreichen.

Diese räumliche Verteilung bringt Herausforderungen mit sich – sowohl für Bürger*innen als auch für die Verwaltung selbst. Unterschiedliche Anlaufstellen erschweren die Orientierung, Zuständigkeiten sind räumlich voneinander getrennt, was Abstimmungswege innerhalb der Verwaltung teilweise erschwert. Gleichzeitig verursacht der Betrieb zahlreicher Standorte einen hohen organisatorischen und wirtschaftlichen Aufwand und bietet wenig Flexibilität für zukünftige Entwicklungen.

Genau hier setzen die aktuellen Überlegungen der Kreisverwaltung an. Ziel ist eine möglichst weitgehende Standortkonzentration. Sie soll klarere Anlaufstellen schaffen und zugleich die Zusammenarbeit innerhalb der Verwaltung weiter stärken. Eine bessere Vernetzung der Fachbereiche kann Abstimmungen vereinfachen, Prozesse beschleunigen und damit auch die Qualität der Dienstleistungen für Bürger*innen weiter verbessern. Digitale Angebote und persönliche Beratung sollen sich dabei sinnvoll ergänzen.

Drei Varianten auf dem Prüfstand

Um eine langfristig tragfähige und wirtschaftliche Lösung zu finden, hat der Kreis im Rahmen von Wirtschaftlichkeitsuntersuchungen verschiedene Szenarien für die zukünftige Unterbringung der Kreisverwaltung erarbeitet und miteinander verglichen.

Betrachtet wurden insbesondere:

  1. Bestandsoptimierung: Das bestehende Kreishaus wird optimiert und die vorhandenen Liegenschaften werden künftig stärker und effizienter genutzt. Der Schwerpunkt liegt dabei auf den kreiseigenen Standorten rund um die Moltkestraße.
  2. Bürgercampus Schleswig: Das bestehende Kreishaus wird optimiert und am heutigen Standort um einen Neubau erweitert. Der Schwerpunkt liegt auf einem Anbau entlang der Flensburger Straße, durch den möglichst viele Verwaltungsbereiche an einem zentralen Standort gebündelt werden können.
  3. Zwei-Standorte-Lösung: Das bestehende Kreishaus wird optimiert und durch den Neubau eines Dienstleistungszentrums an einem zweiten Standort ergänzt. Voraussetzung für diese Variante ist der Erwerb eines geeigneten Grundstücks.

Ein vollständiger Neubau sowie ein „Weiter wie bisher“ wurden ebenfalls untersucht. Beide Alternativen haben sich aus wirtschaftlicher Sicht als nicht tragfähig erwiesen und werden daher nicht weiterverfolgt.

Bürgercampus derzeit im Fokus

Nach der Wirtschaftlichkeitsbetrachtung bietet der Bürgercampus Schleswig derzeit besonders gute Voraussetzungen, die angestrebte Standortkonzentration mit einer modernen und flexiblen Verwaltungsstruktur zu verbinden. Er steht deshalb aktuell im Fokus der weiteren Betrachtungen.

Sollte sich die Politik für den Bürgercampus aussprechen, ist für die schrittweise Optimierung des Kreishauses ein Gesamtumsetzungsbudget von rund 19 Mio. Euro vorgesehen. Für den Anbau sind weitere rund 33 Mio. Euro eingeplant. Das Kostenvolumen läge damit insgesamt bei rund 52 Mio. Euro.

Mit den Abmietungen der bisherigen Liegenschaften im Schleswiger Stadtgebiet würde diese Lösung bereits 2031 haushaltsneutral sein. Ab 2031 würden dann jährlich rund 2,3 Mio. Euro an Miet- und Bewirtschaftungskosten eingespart werden, sodass die Abschreibungen und Zinsen damit ausgeglichen würden. Nach 19 Jahren hätte sich das Projekt dann amortisiert und würde sogar den Kreishaushalt – gerechnet auf 40 Jahre Nutzungsdauer – um 62 Mio. Euro entlasten.

Zugleich können durch eine optimierte Flächennutzung der Flächenbedarf um rund 37 % und der Energiebedarf um etwa 46 % reduziert werden. Damit würden auch die laufenden Bewirtschaftungskosten deutlich sinken. Ein wesentlicher Schlüssel dafür liegt in der flexibleren Nutzung und Bündelung von Flächen.

Vor einer Realisierung des Anbaus sind weitere Planungs- und Genehmigungsschritte erforderlich. Dabei werden unter anderem die besonderen Bedingungen des Baugrundes sowie die Hochwassersituation am Standort vertieft geprüft.

Eine abschließende Entscheidung ist noch nicht getroffen. Sollten sich im Zuge der weiteren Planung bislang unbekannte Risiken für die Realisierung des Bürgercampus ergeben, bleibt die Zwei-Standort-Lösung eine mögliche Alternative. Sie sieht neben der Ertüchtigung des Kreishauses ein neues Dienstleistungszentrum auf einem noch zu erwerbenden Grundstück im Schleswiger Stadtgebiet vor und ist derzeit mit einem Investitionsvolumen von insgesamt rund 54 Mio. Euro kalkuliert.

Landrat Dr. Buschmann fasst die Zielrichtung des Projektes zusammen:

„Ich freue mich sehr, dass alle Lösungsvarianten, die die Projektlenkungsgruppe entwickelt hat, gleich drei Faktoren gemeinsam haben: Sie ermöglichen es uns, noch besser auf die Bedürfnisse der Bürger*innen abgestimmten Service anzubieten, moderne, flexible Arbeitswelten für die Mitarbeiter*innen der Kreisverwaltung zu etablieren und schließlich den Kreishaushalt langfristig deutlich zu entlasten. Damit gelingt uns nicht weniger als die sprichwörtliche Quadratur des Kreises“, so Landrat Dr. Buschmann. Der wichtigste Gelingensfaktor für dieses Mammut-Projekt sind die Mitarbeiter*innen der Kreisverwaltung. Sie werden die anstehenden Veränderungen im Arbeitsalltag unmittelbar erleben und die neuen Strukturen Tag für Tag mit Leben füllen. Ihre Erfahrungen und die Anforderungen aus der täglichen Praxis spielen daher auch im weiteren Prozess eine wichtige Rolle.

Wie geht es weiter?

Eine entsprechende Beschlussvorlage soll am 24. September 2026 im Haupt- und Finanzausschuss beraten werden. Eine Befassung des Kreistages ist für den 7. Oktober 2026 vorgesehen. Die politische Beschlussfassung bleibt damit ausdrücklich abzuwarten.

Gesteuert wird der Prozess durch eine Projektlenkungsgruppe aus den Fachdiensten Infrastruktur, Personal- und Organisationsmanagement sowie Kultur und Entwicklung und eine intensive fachbereichsübergreifende Zusammenarbeit. Ergänzend wird der Kreis durch die externe Wirtschaftsprüfungsgesellschaft PwC fachlich begleitet.

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