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DanGer112

Starkregenereignisse, Deichbrüche, Hochwasserlagen, Dürren, Wald- und Flächenbrände aber auch Pandemien – Ereignisse wie diese haben alle etwas gemeinsam - sie kennen keine Grenzen und machen somit auch nicht vor einer Landesgrenze halt. Was passiert eigentlich wenn solche Ereignisse gleichzeitig auf das Grenzland zwischen Deutschland und Dänemark treffen und dort Schadenssituationen verursachen?

Mit Fragestellungen wie dieser setzen wir uns innerhalb des Projektes INTERREG 6A -DanGer112 auseinander.

Das INTERREG-Programm ist ein Förderinstrument und Teil der Struktur- und Investitionspolitik der Europäischen Union und unterstützt seit über 30 Jahren Initiativen zur Stärkung der Zusammenarbeit zwischen Akteuren und Ländern in ganz Europa. Im Fokus der Förderungen stehen dabei die Identifikation von Herausforderungen, Hindernissen und Themen, die das tägliche Leben beeinflussen, zum Beispiel im Bereich Arbeitsmarkt, Bildung, Gesundheit und Umweltschutz sowie auch im Bereich Sicherheit. Durch die INTERREG-Förderung soll die Zusammenarbeit von benachbarten Regionen und Ländern an Binnengrenzen der EU gefördert und unterstützt werden und gemeinsam Lösungen für Herausforderungen und Möglichkeiten identifiziert werden, die nicht an einer Grenze Halt machen. Und davon gibt es zahlreiche Beispiele – etwa den Klimawandel, den demografischen Wandel, Kooperationen im Blaulicht- und Sicherheitssektor oder eine Pandemie.

Unser Projekt ist ein Zusammenschluss aus, für die nicht polizeiliche Gefahrenabwehr verantwortlichen, Verwaltungsbehörden entlang der deutsch dänischen Grenze als Projektpartnern, sowie einem stetig wachsenden Netzwerk aus unterschiedlichsten Organisationen des Sicherheits- und Hilfeleistungssystems beider Länder. Die koordinierende Leadpartnerschaft liegt bei Brand og Redning Sønderjyllland unterstützt durch die Projektpartner Region Syddanmark, Stadt Flensburg, Landkreis Nordfriesland, dem dänischen Kystdirektoratet, dem Landkreis Schleswig-Flensburg sowie der Beredskab der Kommune Sønderborg .

Indem die Kompetenzen und Stärken beiderseits der Grenze zusammengebracht und Erfahrungen ausgetauscht werden, können gemeinsam Hindernisse und Problemstellungen identifiziert und diese dann gemeinsam abgebaut werden. Gemeinsam werden Know-How und Best-practice ausgetauscht und an gemeinsamen Lösungen gearbeitet. Unser Fokus liegt dabei auf der gegenseitigen Unterstützung bei Einsatzszenarien gleich welcher Art und Größe, dem Informations- und Wissenstransfer, der Vernetzung und Vermittlung sowie gemeinsamen Ausbildung und Übungen. Ziel ist, eine bürgernahe – gegenseitig kostenneutrale - Zusammenarbeit im Grenzland im Bereich der nichtpolizeilichen Gefahrenabwehr, der Brandbekämpfung und des Bevölkerungsschutzes, sowohl bei alltäglichen Unfällen und Bränden als auch bei größeren Einsatzlagen bis hin zu Katastrophen.

Eine nationale Grenze darf für Hilfeleistungen in Notsituationen in einem Grenzgebeit innerhalb der Europäischen Union kein Hindernis darstellen. Nachbarschaftshilfe bzw. Amtshilfe egal bei welcher Einsatzgröße, muss jederzeit schnell, gegenseitig kostenfrei und unkompliziert auch über eine nationale Landesgrenze hinweg möglich sein. Auch bei einer Großschadens- oder Katastrophenlage darf eine schnelle und unkomplizierte Unterstützung keinen langen Verwaltungsakt über mehrere Verwaltungsebenen hinweg darstellen. Gute Beziehungen über nationale Grenze hinweg tragen zum Frieden und Sicherheit sowie zum Schutz und Wohle aller bei.

Die Zusammenarbeit im Speziellen im deutsch-dänischen Grenzgebiet ist ein Unikum. Insbesonders im Grenzland – der Region Sønderjylland-Schleswig – herrscht von jeher eine enge Verbundenheit. DanGer112 ist die erfolgreiche Fortsetzung aus geförderten Projekten aus Interreg 4A und Interreg 5A Förderperioden mit einem stetig wachsenden Netzwerk aus der ”Blaulichtfamilie”.

Das Projekt DanGer112 wird durch Interreg 6A mit einem Zuschuss von ca. 442.000 EUR aus dem Europäischen Fonds für regionale Entwicklung unterstützt und läuft vom 01. Januar 2023 bis zum 31. Dezember 2025.

Die Projektergebnisse: 

Ergebnis Arbeitspaket 2 - Verbindungsoffiziere

Pilotprojekt zur Ausbildung von Verbindungsoffizieren bei Feuerwehren im deutsch-dänischen Grenzgebiet erfolgreich abgeschlossen

DanGer112 Liaison Officer nehmen offiziell die Arbeit auf.

Im Rahmen des Arbeitspaketes 2 haben sich deutsche und dänische Feuerwehrleute von grenznahen Feuerwehren der Interreg DanGer112 Projektpartner Landkreis Nordfriesland, Landkreis Schleswig-Flensburg, Berufsfeuerwehr der Stadt Flensburg, Sonderburg Beredskab und Brand & Redning Sonderjytland zu einer gemeinsamen Gruppe von Verbindungsoffizieren zusammengetan.

Die Feuerwehren auf beiden Seiten der Grenze teilen gemeinsame Wurzeln in der Tradition des freiwilligen Brandschutzes. Dies fördert ein starkes Gemeinschaftsgefühl unter den Kamerad*Innen. So ist es selbstverständlich, dass man sich im Einsatzgeschehen schnell, unkompliziert und gegenseitig kostenfrei über die Landesgrenze hinweg unterstützt. Eine Grenze darf kein Hindernis für notwendige Hilfe darstellen. Kein Einsatzmittel sollte ungenutzt bleiben, wenn es auf der anderen Seite der Grenze gebraucht wird. Wenn ein Haus brennt, ist es egal, wer zur Hilfe kommt - hauptsache, es kommt schnell jemand.

In einem gemeinsamen Qualifizierungsverlauf, der sich über mehrere Termine im Jahr 2024 erstreckte, wurden neben dem gegenseitigen Kennenlernen der teilnehmenden Kamerad*Innen und der Vermittlung eines Grundverständnisses zum Konzept der Verbindungsoffiziere ein großer Fokus auf das Kennenlernen der jeweiligen Hilfeleistungsstrukturen, verfügbarer nationaler Ressourcen, Standardvorgehensweisen und Einsatzabläufe gelegt.

Verbindungsoffiziere stellen fortan bei Einsätzen ein Bindeglied der grenzübergreifenden Zusammenarbeit von Einsatzorganisationen dar. Sie sind Kamerad*Innen der Einsatzabteilungen von Feuerwehren und Hilfeleistungsorganisationen und nehmen normal an Dienstveranstaltungen, Übungen und Einsätzen teil. Bei Bedarf stehen sie jedoch den lokalen Einsatzleitungen im Einsatzgeschehen beratend und unterstützend in Bezug auf Möglichkeiten, Alarmierung, Kommunikation und Einbindung von Hilfeleistungsstrukturen des jeweiligen Nachbarlandes zur Verfügung. Eine solche Unterstützung kann durch die Einsatzleitung angefragt, sowie auch proaktiv von Seiten der Verbindungsoffiziere als Angebot an die Einsatzleitungen erfolgen. Weiterhin unterstützen Verbindungsoffiziere bei der besseren Vernetzung der Einsatzorganisationen untereinander sowie auch bei der weiteren Ausgestaltung der Zusammenarbeit im Grenzland.

DanGer112 Liaison Officer verfügen über deutsche und dänische Sprachkenntnisse sowie ein Kulturverständnis des jeweiligen Nachbarlandes. Sie sind bekannt mit den Hilfeleistungsstrukturen der Anrainergemeinden auf der anderen Grenzseite. Sie kennen die Technik und verfügbaren Ressourcen in den Nachbargemeinden und haben ein Verständnis über die unterschiedliche Einsatztaktik und (technische) Möglichkeiten der Nachbarn.

Zur Kennzeichnung erhalten die Verbindungsoffiziere einen Patch für ihre Einsatzjacke mit dem offiziellen DanGer112 Logo. Zusätzlich werden ihnen Fach-Wörterbücher als unterstützendes Begleitmaterial zur Verfügung gestellt und ein Austauschnetzwerk eingerichtet.

Die Bildung einer Gruppe von Verbindungsoffizieren macht sich bereits jetzt bezahlt. So konnten durch die Verbindungsoffiziere alte Vereinbarungen wieder in Gang gesetzt werden sowie neue Kooperationen identifiziert werden. Gemeinsam wurden grenzübergreifende Übungen organisiert und gemeinsame Einsätze gemeistert. Zukünftig ist die Einbindung der Verbindungsoffiziere in weitere Aktivitäten des DanGer 112 Netzwerkes denkbar.

Für den weiteren Projektverlauf ist nun geplant die Gruppe der DanGer112 Liaison Officer um Vertreter*Innen weiterer grenznaher Institutionen wie z.B. Leitstellendisponenten und/oder Einheiten des Zivil- und Katastrophenschutzes zu erweitern.  

Weitere Informationen zum Einsatz und Konzept der Verbindungsoffiziere erhalten Sie über den Kreisfeuerwehrverband des Kreises Schleswig-Flensburg - florian@kfv-slfl.de sowie unter katastrophenschutz@schleswig-flensburg.de.

Ergebnis Arbeitspaket 3 - Power-to-X

Power-to-X (PtX)-Anlagen sind Technologien, die elektrische Energie – vorwiegend aus erneuerbaren Quellen wie Wind oder Sonne – in andere Energieträger oder chemische Stoffe umwandeln. Das „X“ steht dabei für verschiedene Produkte wie Wasserstoff, synthetische Kraftstoffe, Methan, Chemikalien oder Wärme. Üblicherweise wird der Strom in einer Elektrolyseanlage eingesetzt, um Wasser in Wasserstoff und Sauerstoff zu spalten. Der erzeugte Wasserstoff kann direkt genutzt oder in andere Stoffe umgewandelt werden, etwa durch Methanisierung zu Methan oder in flüssige synthetische Kraftstoffe. Die so entstehenden Energieträger lassen sich leichter speichern und transportieren als Strom und finden Einsatzmöglichkeiten im Verkehr, in der Industrie oder zur Rückverstromung. Zusammengefasst wandeln PtX-Anlagen Strom in flexible und speicherbare Energieträger um.

Gleichzeitig stellen PtX-Anlagen im Brandschutz besondere Herausforderungen dar, da sie mit hochentzündlichen und teilweise reaktiven Stoffen arbeiten und komplexe Prozessabläufe erfordern. Deshalb sind umfassende Sicherheitskonzepte essenziell. Im Rahmen vom Arbeitspaket 3 – Power-to-X lag der Schwerpunkt auf dem Wissensaustausch zu diesen neuen Anlagenformen, wie sie derzeit an verschiedenen Standorten im deutsch-dänischen Grenzgebiet entstehen. Ein erster Schritt der Arbeitsgruppe bestand in der Identifikation von Art und Lage der Anlagen innerhalb der Gebietskörperschaften des Grenzlands. Die Analyse zeigte, dass bereits in der Vorplanung und bei der Erstellung von Gefahrenabwehrplänen erhebliche Unterschiede in der Beteiligung der zuständigen Stellen auf deutscher und dänischer Seite bestehen. Während in Dänemark der vorbeugende Brandschutz bereits sehr früh in Planung und Beschlussfassung involviert werden, so ist eine frühe Beteiligung von Brandschutzdienststellen auf deutscher Seite in Planungs- und Genehmigungsprozessen noch die Ausnahme. Diese Erkenntnis führte dazu, dass das die Arbeitsgruppe des Arbeitspaketes 3 seinen Fokus auf den fachlichen Austausch zwischen deutschen und dänischen Institutionen richtete.

Vertreter*innen aus der abwehrenden Gefahrenabwehr sowie Mitarbeitende des vorbeugenden Brandschutzes der Projektpartner erhielten die Möglichkeit, bei gemeinsamen Exkursionen zu bereits errichteten PtX-Anlagen in Deutschland und Dänemark ihre Erfahrungen zu Genehmigungsverfahren, den spezifischen Herausforderungen dieser Anlagen und den von ihnen ausgehenden Gefahren zu teilen und zu vertiefen. Dabei konnten offene Fragen zwischen abwehrender und vorbeugender Gefahrenabwehr sowie den Planer*Innen und Betreiber*innen direkt geklärt werden. Diese Exkursionen und der damit verbundene fachliche Austausch wurden als sehr wertvoll eingeschätzt und erfüllten die Ziele des Arbeitspakets 3 sowie die definierten Meilensteine.

Ein weiterer wichtiger Nutzen lag in der Vernetzung der verantwortlichen Kolleg*innen der beteiligten Gebietskörperschaften. Die Arbeit mit Notfallplänen für PtX-Anlagen wird die Mitarbeitenden des aktiven und des vorbeugenden Brandschutzes auf beiden Seiten der Grenze auch künftig begleiten. Durch dieses Arbeitspaket konnte ein Erfahrungsnetzwerk geschaffen werden, auf das bei zukünftigen Fragestellungen zurückgegriffen werden kann.

Weitere Informationen zu den Herausforderungen von Power-to-X Anlagen erhalten Sie unter brandschutzdienststelle@schleswig-flensburg.de

Ergebnis Arbeitspaket 4 - Climate Change

Østersfanger 2024 - Gemeinsam üben - über Grenzen hinweg

Dieses Arbeitspaket steht ganz im Zeichen des Klimawandels. Um herauszufinden, wie handlungsfähig die Gefahrenabwehr im deutsch-dänischen Grenzland agiert, entschied sich die Steuerungsgruppe des Partnernetzwerkes unter Beteiligung unseres Sachgebietes Brand- und Katastrophenschutz im Arbeitspaket 4 für die Durchführung einer Übung mit Bezug zum Klimawandel.

Im Zeitraum vom 2. bis 6. Oktober 2024 fand im deutsch-dänischen Grenzgebiet die Katastrophenschutzübung  Østersfanger 2024  in der dänischen Kommune Tønder nahe der Hoyer-Schleuse statt.

Im Rahmen des EU-Interreg6A-Projekts  „DanGer112“  wurde die Übung von den Partnern  Bundesanstalt Technisches Hilfswerk (THW) – Landesverband „Küste“,  der an der Grenze für Gefahrenabwehr zuständigen kommunalen Ordnungsbehörde Brand & Redning Sønderjylland (BRSJ), und der dänischen Zivilschutzbehörde Beredskabsstyrelsen Sydjylland (BRS-SJ) geplant und durchgeführt. Als Kreis Schleswig-Flensburg waren wir an der Planung und Durchführung aktiv beteiligt.

Das gemeinsame Projekt „DanGer112“ spielt eine zentrale Rolle dabei die grenzüberschreitende Zusammenarbeit im Bevölkerungsschutz zwischen Deutschland und Dänemark zu stärken und effektive Lösungen für den Umgang und die Unterstützung mit und bei zunehmenden Wetterextremen zu entwickeln. Die Übung brachte kommunale und nationale Einsatzkräfte aus Dänemark und Deutschland zusammen und wurde von unterschiedlichen Organisationen wie z.B. der Polnischen Staatlichen Feuerwehr (PSP) unterstützt.

Für die Übung wurden Hochleistungspumpenmodule und weitere Einsatzkräfte aus Deutschland und Dänemark mobilisiert, welche dem Union Civil Protection Mechanism (UCPM) für Einsätze in ganz Europa zur Verfügung stehen. Die geplante Teilnahme eines polnischen HCP-Moduls musste aufgrund einer anhaltenden Hochwasserlage in Polen kurzfristig abgesagt werden. Jedoch wurde die Übung durch eine Erkundungseinheit der polnischen Feuerwehr begleitet.

Die Übung „Østersfanger 2024“ ermöglichte es den Partnern im „DanGer112“-Netzwerk, praktische Erfahrungen mit den Herausforderungen des grenzübergreifenden Bevölkerungsschutzes zu sammeln und den Einsatz von spezialisierten Katastrophenschutzeinheiten zu erproben. Ein Hauptaugenmerk lag darauf, die technische und logistische Koordination zu optimieren, die Erprobung eines Host-Nation-Supports und die Interoperabilität zwischen den deutschen, dänischen und polnischen Kräften zu verbessern. Ebenfalls diente die Übung dazu ein kulturelles Verständnis füreinander zu schaffen. Die gesammelten Erkenntnisse aus dieser Übung fließen in die Weiterentwicklung des „DanGer112“-Netzwerks sowie die Bearbeitung weiterer Arbeitspakete ein und stärken langfristig die Zusammenarbeit und Einsatzbereitschaft bei künftigen Katastrophen im deutsch-dänischen Grenzgebiet.

Weitere Informationen zu diesem Arbeitspaket erhalten Sie unter katastrophenschutz@schleswig-flensburg.de

Ergebnis Arbeitspaket 5 - Abkommen / Vereinbarungen

Entlang der deutsch-dänischen Grenze besteht seit vielen Jahren eine gut etablierte und erfolgreiche Zusammenarbeit in den Bereichen Feuerwehr, Rettungsdienst, Krankenwagen und Polizei. Ziel dieser Zusammenarbeit ist es, weiterhin die Sicherheit der Bevölkerung auf beiden Seiten der Grenze zu gewährleisten – sowohl bei alltäglichen Einsätzen als auch bei größeren Ereignissen, bei denen die Kapazitäten eines Landes nicht ausreichen. Diese gegenseitige Unterstützung wurde durch mehrere aufeinanderfolgenden Interreg-Projekte aufgebaut und weiterentwickelt und im Rahmen von Interreg6A DanGer112 optimiert.

Die Zusammenarbeit dieses Netzwerkes im Grenzland wurde im Laufe der Jahre – und durch frühere Interreg-Projekte – durch gegenseitige Kooperationsvereinbarungen zwischen den zuständigen Behörden der Gefahrenabwehr und politischen Ebenen auf beiden Seiten der Grenze schriftlich fixiert.

Einige dieser Vereinbarungen wurden jedoch zu einer Zeit geschlossen, als die Rahmenbedingungen und Systeme anders waren als in der heutigen Gesellschaft.

Insbesondere sind drei Vereinbarungen hervorzuheben, die im Rahmen dieses Arbeitspaketes überarbeitet, aktualisiert und dem Netzwerk zu einer Neu-Unterzeichnung vorgelegt wurden.

Die Udrykningsbekentgørelse – eine Regelung zur Nutzung von Sonder- und Wegerechten in Dänemark

Dänische Einsatzfahrzeuge durften bereits in der Vergangenheit zu Einsätzen unter Sonderrechten in Deutschland ausrücken, wenn sie zu einer Hilfeleistung auf der deutschen Seite der Grenze angefordert wurden. Dies war und ist seit langem im deutschen Straßenverkehrsgesetz verankert.

Dagegen durften deutsche Einsatzfahrzeuge in Dänemark nur auf der Grundlage einer Ausnahmeregelung in der Bekanntmachung Einsatzfahrten des dänischen Straßenverkehrsgesetzes zu Einsätzen mit Sonderrechten ausrücken. Diese war in den letzten Jahren lediglich als Ausnahmeregelung angelegt auf fünf Jahre begrenzt und galt nur für bestimmte registrierte Fahrzeuge in Kombination mit einer umständlichen Meldepflicht direkt an der Grenze. Dies hat regelmäßig zu Problemen beim Grenzübertritt deutscher Einsatzfahrzeuge an der Grenze geführt.

Im Zusammenhang mit einer Überarbeitung der dänischen Straßenverkehrsordnung (Udrykningsbekentgørelse) im Jahr 2024 gelang es dem Interreg-Projekt DanGer112 – wir haben Beiträge zu den Stellungnahmen geleistet – zu erreichen, dass diese Regelung in die Neuverordnung zum Einsatz ausländischer Einsatzfahrzeuge mit Sonderrechten in Dänemark aufgenommen wurde, sodass es deutschen Einsatzfahrzeugen nun möglich ist, in Dänemark unter den gleichen Bedingungen wie dänische Einsatzfahrzeuge in Deutschland Einsatzfahrten durchzuführen – ohne weitere Formalitäten. Dies gilt für alle Einsatzfahrzeuge gleichermaßen, solange diese für die Erfüllung eines hoheitlichen Auftrages in Dänemark angefordert sind.

Zusammenarbeit zwischen staatlichen Rettungsdiensten:

Zur Regelung einer unkomplizierten Zusammenarbeit und schnellen und unbürokratischen Hilfeleistung im Grenzgebiet wurde ebenfalls durch die Arbeitsgruppe dieses Teilpakets die Erarbeitung einer neuen Vereinbarung zwischen den beiden staatlichen Bevölkerungsschutzorganisationen – den dänischen Beredskabsstyrelsen (DEMA) und dem Bundesanstalt Technisches Hilfswerk (THW) – über die gegenseitige Zusammenarbeit und Hilfeleistungen auf direkte und informelle Weise angestoßen. Auf der Abschlussveranstaltung des Interreg Projektes DanGer112 konnte diese Vereinbarung zwischen den beiden nationalen Vertragsparteien unterschrieben werden. Diese Vereinbarung regelt neben der unkomplizierten und schnellen Unterstützung beider Organisationen i Grenzgebiet auch die zukünftige engere Zusammenarbeit in Bezug auf Ausbildung, Wissensaustausch und gemeinsamer Übungen.

Dauerhafte Verankerung der Ergebnisse der bisherigen Interreg-Projekte:

Das Interreg6a-Projekt DanGer112 – und damit auch die Finanzierung der Zusammenarbeit – läuft am 31. Dezember 2025 aus. Eine weitere Finanzierung aus EU-Mitteln ist ungewiss.

Die Ergebnisse dieses und früherer InterReg-Projekte im Bereich der Katastrophenschutz sind für die grenzüberschreitende Zusammenarbeit im deutsch-dänischen Grenzgebiet von entscheidender Bedeutung. Dazu gehört auch das, über die Jahre gewachsene, grenzüberschreitende Netzwerk DanGer112, das durch die Zusammenarbeit entstanden ist.

Damit diese fantastischen Beziehungen von DanGer112 für die Zusammenarbeit in Zukunft nicht verloren gehen, wurde durch alle Partner vereinbart, dass die Ergebnisse und die Zusammenarbeit sowie deren Weiterentwicklung in einer dauerhaften Vereinbarung verankert werden sollen.

Dies hat dazu geführt, dass die Interreg-DanGer112 Partner Kreis Schleswig-Flensburg, Stadt Flensburg und Kreis Nordfriesland auf deutscher Seite zusammen mit den Partnern Region Syddanmark, Sønderborg Kommune, Tønder Kommune, Aabenraa Kommune und Haderslev Kommune auf dänischer Seite die Fortsetzung der Zusammenarbeit finanzieren, wobei Brand & Redning Sønderjylland als Koordinator fungiert.

#ZusammenSicherheitGrenzland

Weitere Informationen zu den Vereinbarungen erhalten Sie bei der Netzwerkkoordination unter kac@brsj.dk oder unter katastrophenschutz@schleswig-flensburg.de

Ergebnis Arbeitspaket 6 - SINE / Tetra BOS-Funk

Herausforderung: Kommunikationsbarrieren
Ein zentrales Handlungsfeld in Arbeitspaket 6 war die Verbesserung der Kommunikationsmöglichkeiten zwischen den operativen Einheiten. Erfahrungen aus realen Einsätzen zeigten, dass die vorhandenen BOS-Funkstrukturen und die bestehende technische Ausstattung keine durchgehend stabile grenzüberschreitende Kommunikation ermöglichten. Die fehlende Kopplung der beiden staatlichen Funknetze SINE und TETRA stellte bislang die größte Schwachstelle dar. Direkte Verbindungen zwischen deutschen und dänischen Funkgeräten waren nur über kurze Entfernungen möglich, was in der Vergangenheit zu Verzögerungen beim Erreichen von Einsatzorten im Nachbarland führte.

Lösungsansatz: Technische und organisatorische Weiterentwicklung
Um diese Barrieren zu überwinden, wurde im Arbeitspaket 6 ein umfassender Prozess zur technischen, organisatorischen und strukturellen Weiterentwicklung der Kommunikationswege angestoßen. Unter der Koordination des DanGer112-Projektteams kamen Vertreter aller relevanten Digitalfunkbehörden und BOS beider Länder in mehreren Arbeitsgruppentreffen zusammen. Bedarfe wurden ermittelt, technische und organisatorische Möglichkeiten ausgelotet und ein gemeinsames Lösungsmodell entwickelt.

Die entwickelte Lösung basiert auf einer Back-to-Back-Konfiguration, in der jeweils vier dänische und vier deutsche Funkgeräte gekoppelt werden. Ein geeigneter Standort für die Anlage wurde schnell gefunden. Beide Länder haben jederzeitigen Zugang zur Anlage, sodass Wartung, Kontrolle und Software-Updates sowohl vor Ort als auch digital durchgeführt werden können. Für Notfälle stehen definierte Kontaktstellen bereit, und die Systemadministration der Leitstelle Nord übernimmt die Koordination der laufenden Betreuung gemeinsam mit dem dänischen Partner Center for Beredskabskommunikation (CFB).

Finanzierung, Eigentum und Betrieb
Die technische Ausstattung der Anlage wurde auf deutscher Seite überwiegend durch das Land Schleswig-Holstein und aus Projektmitteln von Interreg6A finanziert, während DEMA – Center for Beredskabskommunikation sowie die dänischen Partner von Interreg6A DanGer112 die dänischen Geräte bereitstellen. Installation, Schulungen, Tests und die initiale Inbetriebnahme wurden ebenfalls durch Interreg DanGer112 kofinanziert. Die laufenden Betriebs-, Wartungs- und Reparaturkosten werden partnerschaftlich zwischen beiden Ländern getragen.

Für den Betrieb wird die Nutzung der Grenzlösung in die bestehenden nationalen Funkrichtlinien integriert. Beide Länder tragen gemeinsam Verantwortung für Betrieb, Wartung, regelmäßige Tests und Einsatzbereitschaft. Die technologische Infrastruktur ist so ausgelegt, dass sie in die Leitstellen von Syd- og Sønderjyllands Politi, Trekant Brand, Sonderborg Beredskab, AMK Vagtcentral sowie der Kooperativen Regionalleitstelle Nord eingebunden werden kann. Viele technische Probleme lassen sich so rund um die Uhr aus der Leitstelle heraus lösen – einschließlich Remote-Funktionen wie „Remote-Kill“, sofern die entsprechenden Zugriffsrechte vorliegen.

Grenzübergreifende Kommunikationsmöglichkeiten und Testphase
Dank der neuen Funkverbindung können dänische und deutsche Rettungskräfte bei Einsätzen und Übungen jetzt über die landesspezifischen Digitalfunksysteme grenzübergreifend kommunizieren. Feuerwehr, Rettungsdienst, Katastrophenschutz und Polizei können sowohl innerhalb des eigenen Bereichs als auch Institutionsübergreifend miteinander sprechen, je nach Art des Einsatzes. Eine Testphase dieser Lösung wurde bereits auf beiden Seiten gestartet. Ein offizieller Regelbetrieb steht noch aus, da die letzten behördlichen Genehmigungen für den Echtbetrieb noch ausstehen.

Unterstützung und europäische Förderung
Das Gateway wurde im Rahmen des EU-Projekts INTERREG 6A Deutschland-Danmark DanGer112 gefördert. Die verantwortlichen Digitalfunkstellen des Landes Schleswig-Holstein, die dänische DEMA sowie Vertreter von Polizei und Leitstellen beider Länder entwickelten den Lösungsansatz über mehrere Monate und setzten ihn technisch um. Das Land Schleswig-Holstein stellte den Standort und die Einrichtung bereit, während die dänische Seite das technische Design übernahm. Planung und Installation erfolgten gemeinsam.

Ausblick
Die Gateway-Lösung ermöglicht es Leitstellen und Einsatzleitungen, sich direkt nach Alarmierung und auf der Anfahrt zur Einsatzstelle direkt über BOS – Funk miteinander auszutauschen. Als nächster Schritt ist geplant, die Reichweite des Gateways weiter zu erhöhen, um die Abdeckung des deutschen Funknetzes auch auf dänischem Staatsgebiet zu verbessern. Dieser Schritt wurde im Rahmen des Projektes durch die Arbeitsgruppe angestoßen. Die Mitglieder der Projektarbeitsgruppe betreuen auch über das Projektende hinaus die begonnene Zusammenarbeit.

Mit dieser Lösung wird eine durchgehend leistungsfähige und reichweitenstarke BOS Kommunikation über die Grenze hinweg sichergestellt – ein entscheidender Baustein für ein modernes, verlässliches und kooperatives Einsatzgeschehen im Grenzland, das die Sicherheit der Bürgerinnen und Bürger in der Region nachhaltig stärkt.

Weitere Informationen zu diesem Projekt erhalten Sie bei der Kooperativen Leitstelle Nord in Harrislee oder unter Katastrophenschutz@schleswig-flensburg.de

Weitere Informationen sind zu finden unter:

https://www.interreg-de-dk.eu/projekte-ergebnisse/unsere-projekte-1/einzelansicht-projekte/danger112

https://112interreg.eu

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