Erster »Tag der Demokratiegeschichte« - Schüler*innen aus Afghanistan, Syrien und Rumänien erwecken Geschichte im Idstedt-Museum zum Leben
Vom 18. März bis zum 22. März 2026 wurde mit bundesweit über 250 Veranstaltungen unter der Schirmherrschaft des Bundespräsidenten Frank-Walter Steinmeier erstmals der „Tag der Demokratiegeschichte“ gefeiert. Auch das Idstedt-Museum im Kreis Schleswig-Flensburg beteiligte sich an dem neuen Aktionstag für Freiheit und Demokratie. In Zusammenarbeit mit Theaterregisseurin Ulla Bay Kronenberger und sechs Schüler*innen des BBZ Schleswig aus Afghanistan, Syrien und Rumänien entstand eine interaktive Führung durch die Ausstellung, die Geschichte direkt erlebbar machte.
Demokratiegeschichte zum Anfassen im Idstedt-Museum
Als historischer Austragungsort der Schlacht bei Idstedt im Jahr 1850, bei der Schleswig-Holsteiner für ihre Unabhängigkeit von Dänemark kämpften, ist Idstedt heute ein offizieller „Ort der Demokratiegeschichte“. Die Schlacht gilt als einer der Höhepunkte der Schleswig-Holsteinischen Erhebung von 1848 bis 1851 – dem ersten Versuch, ein eigenständiges und demokratisches Schleswig-Holstein zu etablieren.
Um auf die damaligen Prozesse deutscher Demokratieentstehung aufmerksam zu machen, entwickelten Museumskuratorin Stefanie Robl, Theaterregisseurin Ulla Bay Kronenberger und die Schüler*innen des BBZ Schleswig in den vergangenen Wochen gemeinsam Ideen.
Das Ergebnis wurde am 20. März 2026 in zwei Durchgängen präsentiert: Die 16- bis 19-jährigen Schüler*innen ergänzten die Führung von Stefanie Robl durch das Idstedt-Museum mit kurzen Spielszenen. Im Fokus stand die deutsch-dänische Geschichte von 1848 bis zur Volksabstimmung im Jahr 1920. Auf diese Weise wurden historische Bilder und Texte in erlebbare Momente übersetzt und die damaligen demokratischen Entwicklungen im Grenzgebiet anschaulich vermittelt. Das Publikum bestand zu großen Teilen ebenfalls aus Schüler*innen. Damit wurde die Veranstaltung bewusst zu einem Format von Jugendlichen für Jugendliche. Timo Schmidt, Lehrer am BBZ Schleswig, zeigte sich begeistert über den Mut und die Leistung seiner Schüler*innen: „Auf der Bühne zu stehen, ist an sich schon eine aufregende Erfahrung. Unsere Schüler*innen haben dabei zusätzlich eine Sprachbarriere überwunden. Die Teilnahme an der Veranstaltung war für die jungen Darsteller*innen somit ein wichtiger Schritt in Richtung Integration und persönlicher Entwicklung.“
Kreispräsident Walter Behrens, Vorsitzender des Stiftungsrates der Idstedt-Stiftung, würdigte die lebendige Form der Geschichtsvermittlung: „Idstedt steht symbolisch für den Wunsch nach politischer Selbstbestimmung und ist ein bedeutender Ort für die schleswig-holsteinische Demokratieentstehung insgesamt. Die Szenen der Schülerinnen und Schüler haben dies sehr greifbar dargestellt. Besonders wertvoll ist, dass hier junge Menschen andere junge Menschen für Geschichte und Demokratie sensibilisieren. Unsere demokratische Grundordnung wird heutzutage oft als Selbstverständlichkeit wahrgenommen. Der lange Weg dorthin ist in vielen Köpfen nicht präsent.“
Museumskuratorin Stefanie Robl ergänzte: „Wir möchten Idstedt daher weiterhin als Erinnerungsort festigen und das Museum zum außerschulischen Lernort für alle Interessierten weiterentwickeln. Die heutige Veranstaltung war ein gelungener Schritt in diese Richtung. Ich bin beeindruckt, wie die Schüler*innen die Museumsführung zum Leben erweckt haben. Durch den persönlichen Bezug der Jugendlichen zu Krieg und Vertreibung haben sich ganz neue Perspektiven auf die deutsch-dänische Geschichte ergeben.“
Förderung ermöglichte innovatives Vermittlungsformat
Möglich wurde die Veranstaltung durch eine Förderung der Stiftung Orte der deutschen Demokratiegeschichte. Die Idstedt-Stiftung erhielt für die Umsetzung ihres Konzepts die volle Fördersumme aus dem stark nachgefragten Förderprogramm. Die finanzielle Unterstützung erlaubte nicht nur die inhaltliche und pädagogische Entwicklung des Projekts in Zusammenarbeit mit einer professionellen Theaterregisseurin, sondern auch die aktive Einbindung der Schüler*innen über mehrere Wochen hinweg. Darüber hinaus konnten die Aufführungen kostenfrei für alle Interessierten angeboten werden.
Foto 1 von links nach rechts: Samira Safi, Ramin Nazari, Shoaib Ahmadi, Kreispräsident Walter Behrens
Foto 2 von links nach rechts: Shoaib Ahmadi, Emma Dolofon, Ramin Nazari, Mafez Bazo, Samira Safi, Ulla Bay Kronenberger (Regisseurin), Roqia Azami, Stefanie Robl (Museumskuratorin)