Zerkarien und „Badedermatitis“
Bei Zerkarien handelt es sich um kleine Larven von Saugwürmern, die mit dem bloßen Auge nicht zu erkennen sind. Sie kommen natürlicherweise v.a. in Seen und Teichen vor. Zur Fortpflanzung benötigen sie in ihrem Lebenszyklus einen Wirt, wie beispielsweise Enten und andere Wasservögel oder Süßwasserschnecken.
Mit dem Kot infizierter Wasservögel werden die Eier der Zerkarien ausgeschieden. Die daraus schlüpfenden Larven befallen als „Zwischenwirt“ dann die Wasserschnecken, um dort weiter zu wachsen. Bei Temperaturen > 20°C verlassen sie wiederum die Schnecken und suchen sich ihren „Endwirt“ (z.B. Enten). Dort durchdringen sie die Haut, um sich dann fortzupflanzen und den Zyklus neu zu beginnen. Die Überlebensdauer der Zerkarien im Wasser beträgt zwei bis drei Tage.
Der Kontakt mit der Haut kann eine in der Regel harmlose, aber unangenehme allergische Reaktion hervorrufen, eine sogenannte „Badedermatitis“, sozusagen eine Entzündung der Haut nach dem Baden.
Wie kommt es zu einer Infektion bei Menschen?
Zerkarien können bei der Suche nach einem neuen Wirt auch in menschliche Haut eindringen. Das kann beim Baden, aber auch z.B. beim Waten im flachen Wasser passieren. Der Mensch ist aber ein sogenannter „Fehlwirt“, d.h. die Zerkarien können in menschlicher Haut nicht überleben oder sich fortpflanzen. Das menschliche Immunsystem bekämpft die Larven, so dass sie direkt in der Haut abgetötet und „aufgelöst“ werden.
Welche Symptome können auftreten?
Je nach individueller Immunabwehr der Betroffenen ist das Ausmaß der Symptomatik unterschiedlich. Der erste Kontakt verläuft meistens symptomlos. Es können aber auch nach wenigen Minuten bis zu einer Stunde leichter Juckreiz und Hautausschlag auftreten. In der Regel kommt der Ausschlag an Körperpartien vor, die nicht von der Badebekleidung bedeckt waren.
Durch den Erstkontakt kann eine Allergie entstehen (Sensibilisierung), die bei erneuten Kontakten dann neben den oben geschilderten Symptomen nach ca. 10-24 Stunden zu starken Hautreaktionen, der eigentlichen Badedermatitis, führen kann. Als weiteres Symptom kann ein stark juckender, knotig-fleckiger Hautausschlag auftreten, der über den ganzen Körper verteilt sein kann. In seltenen Fällen können außerdem Fieber und Schockzustände hinzukommen.
In der Regel heilen die Hautveränderungen innerhalb von 10 bis 20 Tagen folgenlos ab.
Welche Maßnahmen sollten dann ergriffen werden?
Bei starkem Befall und Juckreiz kann die Einnahme von antiallergischen Medikamenten oder Kühlung der betroffenen Stellen Linderung verschaffen. Das Kratzen sollte Vermieden werden, um weitere Entzündungen aufgekratzter Stellen zu vermeiden. Bei schwerer Symptomatik suchen Sie bitte eine Ärztin oder einen Arzt auf.
Wann treten Zerkarien vermehrt auf und was sollte beachtet werden?
Es ist nicht möglich vorherzusagen, wann und wo Zerkarien vermehrt auftreten. Die Zahl im Wasser kann sprunghaft ansteigen, wenn warmes Wetter auf einige kältere Tage folgt. In pflanzenreichen Uferbereichen, in denen sich Wasserschnecken aufhalten, und in Bereichen, in denen viele Enten schwimmen, ist mit den meisten Zerkarien zu rechnen.
Eine kurzfristige Lösung des Problems durch Eingriffe in die betroffenen Gewässer gibt es nicht. Das Absammeln und Abtöten von Wasserschnecken sowie das Ausbringen von Fressfeinden der Wasserschnecken sind aus tierschutzrechtlicher und ökologischer Sicht ausgeschlossen. Eine Möglichkeit, die Saugwürmer einzudämmen, besteht im konsequenten Fernhalten von Enten und anderen Wasservögeln. Fütterungsverbote und andere Maßnahmen zur Reduzierung der Wasservogeldichte an Badegewässern vermindern das Risiko eines Zerkarienbefalls und sind auch aus hygienischen Gründen wünschenswert.
Folgende Empfehlungen sollten vorbeugend beachtet werden:
- Meiden Sie beim Schwimmen pflanzenreiche und flache Uferbereiche. Hier ist am ehesten im dem Vorhandensein von Wasserschnecken einerseits und wärmeren Wassertemperaturen andererseits zu rechnen. Diese Bereiche sollten Sie schnell durchschreiten oder gehen Sie am besten von einem Steg aus Baden. Auch Bereiche, in denen sich viele Enten aufhalten, sollten besser gemieden werden.
- Trocknen und reiben Sie den Körper direkt nach dem Baden gut ab. Zerkarien trocknen an der Luft schnell aus und so kann außerdem die Anzahl der sich eventuell auf der Haut befindenden Zerkarien deutlich verringert werden. Erst anschließend sollte dann gründlich geduscht werden.
- Füttern Sie an Badestellen keine Enten oder andere Wasservögel. So kann das Auftreten von Wasservögeln an den Badestellen so niedrig wie möglich und auch eine Verschmutzung des Badegewässers durch den Kot der Tiere gering gehalten werden.